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Geschichte des Lehmexpress 1997 - 2017

2014
Projekt Kasbah Asslim 2005

Der LEHMEXPRESS erreichte in diesem Jahr sein hoch gestecktes Ziel. ( Gruppe 1 | Gruppe 2
)

Die Kasbah Asslim ist jetzt statisch stabil und somit keine Ruine mehr. Mit insgesamt 21 Helfern in zwei Gruppen wurden in vier Wochen vier Türme und zwei Außenmauern der Kasbah Asslim saniert und wetterfest gemacht. Der große Riss in der Ostwand wurde mit Hilfe einer heimischen Handwerkergruppe mit einer Stützmauer stabilisiert und im oberen Bereich mittels moderner Bau- Technik vernadelt. Somit ist die statische Instabilität beseitigt und das Gebäude wieder im Ganzen begehbar.
Die Kasbah ist jetzt keine Ruine mehr...

Kasbah Asslim im März 2005
Gruppe 1

Mit einer zwölfköpfigen Studentengruppe aus Weimar, Leipzig, Köln, Rom und Süddeutschland begann das Abenteuer LEHMEXPRESS 2005. Zuerst wurden die Mauerkronen der vier Türme und zwei Außenmauern abgetragen. (Foto 70) Diese waren durch Verwitterung arg beschädigt. Die Takajüts (Zinnen) waren fast vollständig vom Regen herunter gespült worden und lag auf den Decken. Durch Tests wurde der vorhandene Lehm optimiert und mit Sand und Stroh gemischt. Mit dieser Mischung wurden die Mauerkronen wieder aufgebaut.

Lehmexpress 2005
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Für den oberen Mauerabschluss wurden leicht gebrannte Lehmziegel benötigt. Da diese nicht käuflich zu erwerben waren, mussten sie selber hergestellt werden. Unter der Obhut des ortsansässigen Töpfers Mallem Rinini wurden in zwei Tagen 1000 Lehmziegel hergestellt und in einem Lehmofen gebrannt.

Lehmexpress 2005
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Das Brennen wurde zu einem Fest gestaltet, wobei vier Stunden ununterbrochen Palmenzweige unten in die Feueröffnung geschoben wurde. Dies geschah in der Dämmerung und am nächsten Morgen wurden sie mit einem Eselskarren zur Kasbah transportiert. Diese Aktivitäten zogen die Jugendlichen und Kinder des Dorfes an und sie bildeten eine Kette, um die Steine zum Ofen zu transportieren. Es wurde Tee getrunken und mit den Einheimischen geplaudert. Dies alles geschah in einer unglaublichen Herzlichkeit und Freude.

Mit diesen Steinen wurden dann eine Lage Dachziegeln befestigt die ein dekoratives Element an den Mauerkronen bilden.(Bild308 Ein Turmdach war so instabil das es ganz neu gemacht werden musste. Hier zeigte sich wieder einmal der Vorteil des Lehmbaus. Der Lehmschlag wurde oben auf der Terrasse zwischengelagert. Als die Palmenhölzer und die Schilfmatten ausgetauscht waren, wurde derselbe Lehm mit Wasser und einer Hacke durchgemischt und wieder aufgebracht. Es entsteht kein Abraum oder Bauschutt. Jetzt ist das Dach wieder ein dauerhafter Schutz vor Regen und Wind.

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Wir bekamen zwischendurch ein nicht unerhebliches Problem. Ein Pfeiler der "Terrasse der Frauen" drohte umzuknicken. Im unteren Bereich hatten sich zwei Risse gebildet und er drohte einzustürzen. Da wir oben auf dem Dach arbeiteten, wurde dies zu einem existenziellen Problem. Mit nur sehr einfachen Rundhölzern und Streben wurde er 1,5m über dem Boden abgefangen und neu aufgemauert. Diese Konstruktion war sehr abenteuerlich, doch mit der Hilfe unseres marokkanischen Lehmbaumeister M'Bark wuchs der neue Pfeiler und nach drei Tagen konnten wir ihn wieder belasten.

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Es wurde eine Seilwinde installiert die uns freundlicherweise die Baufirma Alexander Hildebrand aus Hennef zur Verfügung stellte. Es wurden Gerüste gebaut und die meiste Arbeit bestand darin, Materialien oben auf die Dachterrasse zu transportieren. Dies alles geschah unter den Augen der täglichen Besucher, die zu einer Visite der Kasbah Asslim gekommen waren.

Derweil arbeiteten drei Studentinnen im Asfallo, dem zentralen Raum im ersten Stock unterhalb der Dachterrasse. Dieser Raum wurde als Küche genutzt und war vollkommen verrußt. Auch waren Schlitze für die Stromversorgung gestemmt worden. Der Ruß wurde mühsam abgewaschen und die Schlitze und Fehlstellen mit Lehm ausgebessert. Dies erwies sich als sehr mühselige Arbeit und nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Parallel dazu arbeite ein vierköpfige Gruppe einheimischer Handwerker, um unseren Lehmbaumeister M'Bark, im Auftrag des LEHMEXPRESS an der geplanten Stützmauer der Ostfassade. Diese soll die einsturzgefährdete Fassade im unteren Bereich vor dem umstürzen bewahren.

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Diese Strategie wurde im Oktober mit Herrn Prof. Dierks von der Universität Potsdam auf der Denkmalmesse 2004 in Leipzig entwickelt. Sie ist ein Teil des Sanierungskonzeptes der Ostwand. Der große Riss im oberen Wandbereich sollte mit Stahlbeton- Nadeln fixiert werden. Dies ist bei uns in Europa eine gängige Methode in der Mauerwerkssanierung. Doch für Marokko wohl eine einmalige. Vor allem an einem Mauerwerk aus Stampflehm.

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Die Studenten erwiesen sich als sehr lernfreudig und aufgeschlossen und es war eine Freude für mich ihnen bei der Arbeit zuzuschauen. Abends wurde musiziert und zum Abschluss spielten die heimischen Berber im Arkadenhof ihre traditionelle "Achwasch- Musik", und alles tanzte und war voller Freude. Ich fuhr mit einer kleinen Gruppe am Ende noch zwei Tage nach Marakesch und stöberten in dem großen Souk nach kostbaren Errungenschaften wie Gewürze, Schmuck und sonstigen Kleinigkeiten.

Lehmexpress 2005
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Gruppe 2

Nun begann das Wirken der zweiten Gruppe. Dieser bunt zusammen gekommene Haufen bestand aus zwei Baufachleuten, einer Restauratorin, einer Krankenschwester, einer Sozialpädagogin und Mutter erwachsener Kinder, zwei Grafikdesignern und einem älteren Ehepaar im stolzen Alter von 66 Jahren. Also neun doch recht unterschiedliche Personen.

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Diese Gruppe hatte als Zielsetzung das Aufmauern der Takajüts (Zinnen), und den Verputz der gesamten Mauerkrone. Steffen Ramlow aus Meisen, Fachmann in der Mauerwerksanierung, hatte die Aufgabe den Riss zu vernadeln.
Die Takajüts wurden aus großen vorgefertigten Lehmziegeln "40+20+17,5cm" hergestellt. Sie erwiesen sich als sehr unhandlich und raubten so manchen Teilnehmer die Kraft. Die endlosen Transportwege erleichterten die Arbeit auch nicht gerade. Das durchmischen des Lehmmörtel mit der "Akschmar", einer typischen Hacke, ist doch sehr kräftezehrend. Doch wuchs die Arbeit kontinuierlich, das schlechte Wetter, womit die erste Gruppe zu kämpfen hatte, wandelte sich in das gewohnte heiße Wüstenklima, 35°grad im Schatten bei 30% Luftfeuchtigkeit. Mittags eine wahre Quälerei.

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Letztendlich wurden alle Mauerkronen inklusive Putze fertig und auch andere Wandflächen , die arg beschädigt waren wurden neu verputzt. Auch hatten wir für einen Tag Hilfe aus Deutschland. Guido Röber, Lehmbauer aus Quedlinburg half mit vier weiteren Mitreisenden Kabelschlitze, Mauerkronen und Löcher mit Lehm zu verputzen. Guido war im Jahre 2000 Teilnehmer des LEHMEXPRESS, und hat sein Herz der marokkanischen Kultur und der Kasbah Asslim verschrieben und es treibt ihn immer wieder an den Rand der Sahara.

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Steffen Ramlow öffnete den großen Riss der Ostwand. Dieser wurde dann mit speziell gemischten Lehm wieder mit großer Sorgfalt verschlossen. Das wichtige bei dieser Arbeit war das Verdichten des Mörtels, damit er nicht schwindet und Risse bildet. Diese Eigenschaft des Lehms ist bei einer Risssanierung sehr problematisch. Wenn das Material sich zusammenzieht entstehen Risse zum umliegenden Stampflehm und das Füllmaterial ist nicht verbunden. Auch wurden zeitgleich etliche Meter kleinere Risse geöffnet und auch auf die gleiche Weise geschlossen. Letztendlich entstand das Gefühl, das die Wand durch diese Maßnahme nicht mehr "wackelig" war, sondern jetzt fest zwischen den Türmen stand.

Lehmexpress 2005
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Nach dieser Maßnahme begann die Vernadelung. Sie soll der Wand statischen Halt geben. Es wurden mit einem 4cm dicken Spezialbohrer 80cm tiefe Löcher diagonal zum Riss gebohrt. In diese Löcher wurde eine meterlange Stahl- Gewindestange, 10mm, eingeführt. Über diese ist mit Abstandshaltern ein Stoffgewebeschlauch gezogen. In diesen wird ein Füllschlauch geschoben, durch den der Beton gepumpt wird. Mit einer speziellen Handpumpe wurde ein wässriges Gemische aus Zement und Trass um diese Nadel unter Druck verpresst. Trass ist ein vulkanisches Mehl, es wurde uns freundlicherweise von der Herstellerfirma TUBAG aus Kruft in der Eifel gesponsert. Nach dem "Abbinden" entsteht dann eine Stahlbetonnadel in der Dicke von 4cm, die ein Verschieben der Mauer gegeneinander verhindert. Der Riss wurde dann von innen und außen verputzt und optisch ist der Schaden nicht mehr sichtbar.
Zeitgleich wurde weiter an der Stützwand gearbeitet, zu deren Entwicklung ich noch einiges sagen möchte. Im Vorfeld haben wir eine Mauer aus Stampflehm geplant. Vor Ort , in den Gesprächen mit unserem Lehmbaumeister M'Bark, erfuhren wir, das durch die Ostlage, also keine direkte Sonneneinstrahlung, und durch die kalte Jahreszeit, diese Konstruktion pro Lage zwei Wochen trocknen muss. Jede Lage ist 1,20m. hoch. Bei einer Mindesthöhe von 6 m brauchten wir also circa drei Monate Zeit. Da bei dieser Stampflehmbauweise nur innerhalb eines Jahres ein Stockwerk hergestellt werden darf, hätten wir diese Bauweise in diesem Jahr nicht fertig stellen können. Das Projekt war jedoch abhängig vom Errichten dieser Wand. Denn in der zweiten Gruppe musste die Wand im unteren Bereich fertig sein, damit wir auch von Außen dort arbeiten konnten.

Lehmexpress 2005
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Wir entschieden uns anders. Das Erdgeschoss sollte eine 40cm dicke Natursteinwand werden, mit einem Stahlbetonskelett. Dies Skelett war auch in Verbindung mit der Stampflehmwand geplant. Der zweite Stock in Form einer gemauerten 40cm dicken Lehmwand aus .luftgetrockneten Lehmziegeln, die auch mit einem Stahlbetonskelett versehen wurde. Was ursprünglich als Strebepfeiler erdacht war, wurde geändert. Da er nicht in das äußere Erscheinungsbild passt, entschieden wir uns dort eine Terrasse zu planen. Auf längere Sicht wird an der Ostfassade ein Anbau entstehen, der oben mit einer Terrasse endet. Diese wird in der üblichen Architekturform aus Arkaden gemauert. Darunter entstehen zwei Räume mit Fenstern. Dieses Gebäude gibt den zwei Türmen noch einmal zusätzlichen Halt. Dadurch ist die Stützmauer in die Architekturform der Kasbah integriert. Wann diese Erweiterung gebaut wird, konnte nicht entschieden werden und bietet so für die Zukunft eine neue Aufgabe.
Zum Abschluss des Projekts kam noch eine besondere Überraschung. Sidi Achmed rief eine 17köpfige Musikergruppe auf den Plan. Diese Gruppe hatte gerade eine Assoziation, also einen Verein gegründet und als Auftakt des Vereinwesens wollten sie uns mit ihrer traditionellen Musik verwöhnen. Auwat, Akelall und Nuheidus Musik stand auf ihrem Programm und ein unvergesslicher Abend im Arkadenhof beendete das diesjährige Hilfsprojekt. Ich wurde noch von Sidi in die Kunst des Säbeltanzes eingeführt, was mir einen Heidenspaß, welch merkwürdiges Wort aber auch, machte.

Lehmexpress 2005
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Als dann alle Teilnehmer zurück in die Heimat fuhren, legten wir die Arbeitsbereiche für das nächste Jahr fest.
Ziel ist die Fertigstellung des Obergeschosses für die Besucher der Kasbah.
Die Raumgestaltung liegt wieder einmal im Vordergrund. Der Baustoff Lehm und Kalk werden in ihren Vor- und Nachteilen erforscht. Kalk- Kaseinestriche als Fußböden. Lehm- und Kalkfarben an den Wänden. Tadelakt als Verkleidung des "Berberklo's" sind der Höhepunkt im nächsten Jahr.
Jetzt zum Schluss noch mal einen herzlichen Dank an alle Teilnehmer für ihre Bemühungen beim Erhalt der Kasbah Asslim. In den letzten Jahren habe ich es nicht für machbar gehalten, den ruinösen Zustand auf diese Art und Weise zu sanieren. Dies überwiegend mit Laien. Auch dieses Jahr lag der Facharbeiteranteil bei 10%.
Ein großes Ziel ist erreicht. Die Kasbah ist gesichert. Helfer aus einer doch anderen Kultur und Kontinent sanieren ein Staatsmonument in Marokko. Ohne staatliche Hilfe und Unterstützung. Das ist ein wahres Geschenk an die marokkanische Kultur und unsere Familie Aid el Caid.

Hiermit sende ich einen herzlichen Dank der Familie an alle, die daran geholfen haben.
Besonderen Dank an Frau Dr. Arch. Anntraud Torggler aus Tirol, für ihre Spende, die die Realisierung der Stützmauer möglich gemacht hat.
Dank an Herrn Prof. Dierks, Potsdam für die fachliche Unterstützung und Ermunterung um die Sanierung des Risses in der Ostwand.
Dank an Jürgen Spengler/Siegburg für die Erstellung der effektiven Homepage.
Dank an die Firma Bausanierung Hampel aus Meißen für die Leihgabe der Betonpumpe.
Dank an die Firma Baufirma Hildebrand/Hennef für die Leihgabe des Aufzuges.
Dank an die Firma TUBAK aus Kruft für die Spende des Trassmehls und ihre fachliche Unterstützung in diesem speziellen Fall.
Dank an alle Personen, insbesondere meiner Frau Uschi und meinem Sohn Antonius, die mich in meinem Tun unterstützt haben.
Einen besonderen Dank an Gott, der dies alles geschehen ließ.
Und ein großes Lob an unsere Küche!

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Eine Ausarbeitung zur Riss-Sarnierung und zur Vernadelung der Kasbah finden Sie unter dem jeweiligen Link als PDF.
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