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Geschichte des Lehmexpress 1997 - 2017

2014
Projekt Kasbah Asslim 2006

LEHMEXPRESS 2006
Gruppe 1 | Gruppe 2

Die private Hilfsorganisation LEHMEXPRESS feierte 10 jähriges Jubiläum.

Wie in den letzten 9 Jahren fand auch in diesem Jahr wieder ein Workshop in der Kasbah Asslim im Süden Marokkos statt. Sage und schreibe zwei Gruppen mit insgesamt 23 Personen arbeiteten jeweils zwei Wochen in den Räumen der Kasbah. Auf dem Programm standen Lehm- und Kalkputze, sowie Wandanstriche aus selbst hergestellten Farben und Pigmenten. Die Fußböden wurden mit Kalk-Kaseinestrich versehen.

Kasbah Asslim im März 2005

Bei unserer Ankunft war auch wieder die Keramikergruppe um Iris Florstedt vor Ort und dazu einmal gesagt: es macht sehr viel Freude mit Euch und Ihr ward/seit eine Bereicherung für alle.

Die erste Gruppe bestand wie gewohnt aus Studenten die sich für den Lehmbau interessieren. Aus Weimar, Darmstadt, Münster, Erfurt, Göttingen und Berlin kamen sie mit dem Flugzeug und/oder mit Bus und Bahn nach Südmarokko wo sie Hand anlegen wollten, um die typische Architektur der Berber kennen zulernen, oder sagen wir besser anfassen zu können. Hinzu kam ein Dipl. Ingenieur aus Erfurt und eine Malerin aus der Schweiz, die sich gleich für beide Workshops angemeldet hatte.

Gruppe 1 - 2006
Beim Essen

Nach den ersten Tagen der theoretischen Einweisung in die Grundlagen des Lehmbaus begann das >müh-seelige< Herstellen, Transportieren und die Verarbeitung des Materials in den Räumen der Kasbah. Elektrokabel wurden eingeputzt, Risse geöffnet und mit Mörtel verschlossen, defekte Putze wurden erneuert und die Berbertoilette wurde mit einem Kalkmörtel versehen. Fenster und Türen wurden gereinigt und mit Leinöl gestrichen. Die Lehmfußböden wurden begradigt, usw. Insgesamt elf Räume mit einer Deckenhöhe von 4,50m mussten für die zweite Gruppe fertiggestellt werden. Das größte Problem war mal wieder das Gerangel um die Leitern. Doch hatten wir in diesem Jahr ein Stehgerüst bauen lassen, sodass zwei bis drei Personen an der Decke arbeiten konnten. Auch wurden die freien Minuten für Gespräche und Diskussionen genutzt um sich besser kennen zulernen und die Grundlagen der Architektur wurde philosophisch zerpflügt. Ein Hauptthema wurde auch die Kultur der Berber mit ihren Gewohnheiten und Sitten. Denn sie ist doch sehr andersartig, da sie noch stark durch die alte Sippenstruktur geprägt ist.

Herstellung von Erdpigmenten
Gesammelte Erdpigmente

Auch kamen zwei deutsche Wandergesellen als Helfer hinzu. Ein Steinmetz und eine Töpferin hatten in Marakesch von dem Projekt gehört und baten für Unterkunft und Verpflegung ihre Hilfe an. Dies wurde ihr von der Gastgeberfamilie gewährt. Als Dank fertigte der Steinmetz eine Marmortafel für die Kasbah an, die den Besucher in engl. Sprache begrüßt. Ein Maurer/ Putzer aus Österreich half am Ende der Gruppenarbeit zwei Tage bei den Kalkputzen im Berberklo. Dies zeigt wieder das Interesse an dem Projekt in dieser Region.

Detail der Wandgestaltung

Sinn und Zweck des LEHMEXPRESS und der Familie Ait el Caid ist der Erhalt der Kasbah Asslim.

Sie soll für den Reisetouristen und auch für Einheimische begehbar sein und als Zeitzeuge der Berberarchitektur dienen. Sie beherbergt auch ein Museum in dem der Besucher Pläne, Zeichnungen, Besiedlungsformen und Kulturgegenstände (Sammlung der Töpferwaren von der Keramikgruppe von Iris Florstedt) besichtigen kann. Dort ist auch eine deutschsprachige Bibliothek eingerichtet und bietet Platz zum lesen, sitzen und Tee trinken. Dadurch erhält sie seinen Sinn und Zweck. Die Familie bietet jedem Interessenten eine Führung an, wodurch er die traditionelle Wohnform optisch erfahren kann. Auch wird ihm die historische Bedeutung der Gastsippe erklärt, die früher die Funktion eines Stammesfürsten hatte. Dieses Konzept wurde ganz am Anfang des Projektes zwischen der Familie Ait el Caid und mir entwickelt und wird kontinuierlich weitergeführt. Dadurch erhält jeder einen festen Platz in dieser Betriebsform. Jeder ist in seinem Bereich Chef und kann kreativ arbeiten. Mittlerweile sind Absprachen in den einzelnen Bereichen fruchtbar und werden auch eingehalten, da jeder weiß was er zu tun hat. So hat Mama Fatima und Sidi Ahmed die Aufgabe die fertiggestellten Räume der Kasbah einzurichten. Gaelle führt das Büro und die Einweisung der Gäste in die Schlafräume inklusive die Reinigung derselben. Dort entstand auch ein Arbeitsplatz für eine Frau aus dem Dorf. Auch arbeitet jetzt eine Kinderfrau in der Familie, damit die Mütter mehr Freiraum für ihre Arbeiten haben. Aziz organisiert die Küche und die Verpflegung der Gäste. Hassan ist für die technischen Probleme zuständig und bietet Wüstenfahrten mit einem Allradjeep für die Gäste an und ist Vorsitzender einer Kultur- Assoziation in der Stadt Agdz. Mohammed führt die Rezeption, sein Bruder Lhachsen ist mit Mohamed dem jüngeren für die Bewirtung und dem Einkauf der Lebensmittel zuständig. Auch beschäftigt die Familie eine Gruppe Handwerker um Maalem M`Barek, die alle Bautätigkeiten abdecken. In diesem Jahr wurde eine Sickergrube für die privaten Wohnräume gebaut. Putze im Neubau des Restaurants ausgeführt. Auch ist die Terrasse vor dem Wasch- und Toilettenhaus fast fertiggestellt worden. Hinzu kommt, das zwei Schwestern mit in der Küche helfen. Dort ist auch Achmed als Koch angestellt. Sinn und Zweck ist auch die umliegenden Familien an dem Projekt zu beteiligen. Durch diese Strukturierung ergibt sich eine gemeinsame familiäre Betriebsform wo jeder seine Arbeit und auch Selbstverantwortung findet.

Kinder
Meister M' Barek und Mario Lahn aus Erfurt

Der LEHMEXPRESS dient ausschließlich der Sanierung der Kasbah und des dazugehörigen Arkadenhofes. Er ist Ansprechpartner/ Koordinator für alle baulichen Aktivitäten und Gruppen die vor Ort arbeiten. Alle Arbeiten werden in traditioneller Art verrichtet und werden mit Maalem M`Barek und der Familie abgesprochen.

Dies bedeutet eine Restauration im rein traditionellen Sinne. Es wurden Rezepturen für die Herstellung von Wandfarben gesammelt und Erdfarb- und Mineralpigmente in der Umgegend gesucht, die von der zweiten Gruppe dann gemahlen und ausgeschlämmt werden sollten. Ganz so wie früher. Als Abschluss wurden wieder die Musiker aus dem Dorf eingeladen und ein Fest mit Hammelbraten stand auf dem Programm.

 
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Die zweite Gruppe war bunt gemischt aus Architekten, Lehmbauerinnen, Tischlern und Ingenieuren. Aus Luxemburg, Schweiz´, Italien, Spanien und Deutschland war sie auch recht international besetzt. Dies sollte sich als sehr spannend erweisen, denn nun ging es an die Wandfarben und Fußböden. Erden wurden ausgeschlämmt und Farbrezepturen auf ihre Tauglichkeit geprüft. Grüne, violette und braune Mineralien wurden mit Reibesteinen auf einer Granitplatte zermahlen. Auch wurden Farben der Firma KREIDEZEIT verarbeitet die wir gespendet bekommen hatten. So konnten die Teilnehmer auch die Verarbeitung und Beschaffenheit heimischer Naturfarben Produkte kennen lernen.

Gruppe 2 - 2006

Es wurde ein Kalkanstrichtechnik für den Außenbereich entwickelt, der mit der Hilfe von Gerd Zieselmann/ Firma Kreidezeit ausgetüftelt wurde. Sie soll beständiger als die traditionellen Kalkanstriche sein und nur aus Materialien der Region bestehen. Leinöl wurden mit Kalk gemischt und auf einen Teil der schon gestrichenen Mauerkronen aufgetragen. Als Finish wurde der Anstrich mit Savon Bildi, einer Olivenseife, die mit Wasser verdünnt wurde, behandelt. Die alten Anstriche wurden zwar erst vor zwei Jahren angefertigt, zeigten aber schon deutlich Abnutzungserscheinungen. Vielleicht können wir den heimischen Berbern ja eine bezahlbare Anstrichtechnik vermitteln die dauerhafter als das Bisherige ist. Wir wollen ja auch den Wissenstransfer anregen. Im Sinne von Nehmen und Geben. Kultureller Austausch war angesagt. Wir lernten die Trommelmusik und Gesänge der Berber, es wurde Sprachunterricht abgehalten und so lernten sich marokkanische und europäische Kultur kennen und schätzen. Respekt untereinander wurde das Hauptthema.

Exkursionen nach Ait Benhaddou, die Besichtigung der CERCAS in der Kasbah Taorirt und Tamnougalt, sowie eine Wanderung durch ein Gebirgsmassiv bei Bou Azzer rundeten die arbeitsamen Tage ab. Es wurden bei den Besichtigungen auch die typischen Ornamente begutachtet und in der heimischen Kasbah Asslim mit Schablonen an die Wände gemalt. Auch lernten wir von Helga, das die Moschee Hassan II in Casablanca, die höchste Kirche auf unserem Planeten, vom Papst geweiht wurde. Dies musste unter großem Jubel erst einmal verdaut werden. Wir stellten dadurch fest, die Welt ist eine große Familie wo jeder den anderen achtet und respektiert.

Asfallo fertiggestell
Museumsraum

Auch kam, wie in den letzten drei Jahren, eine Tadelaktgruppe der Firma KREIDEZEIT mit 16 Teilnehmern. Vier Tage lang wurden in dem Neubau des Restaurants Tadelakt an die Wände angebracht, poliert und eingeseift. Die anfängliche Gruppentrennung wurde durch die Teilnehmer des LEHMEXPRESSES bald aufgelöst, und man saß dann gemeinsam beim Essen an einem Tisch und besprach was zu besprechen war. Anzusprechen wäre an dieser Stelle auch das gemeinsame Arbeiten mit anderen Gruppen. In dem Verbund Familie, LEHMEXPRESS und anderen Gruppen, wie den Keramikern, Aufmassgruppen der Uni Weimar oder in diesem Fall Seminargruppen die vor Ort arbeiten und leben, sollte es immer ein miteinander geben. Trennungen führen immer zu Missverständnissen und Durcheinander. Terminabsprachen sollten im Vorfeld erfolgen, da diese sonst zu Engpässen in der Versorgung der Räumlichkeiten und Verpflegung führen. Sonst ist ein reibungslosen Gruppenablauf nicht mehr möglich. Auch können die Gruppen sich untereinander ergänzen, indem Arbeiten im Sinne von Vorleistungen erbracht werden können. Dies ist dienlich für alle und im Sinne des Konzeptes. Private Empfindlichkeiten werden somit ausgeschaltet. Noch ein Tipp, Baustellen sollten immer sauber verlassen werden. Wenn man es nicht selber schafft sollte man doch jemand anderen beauftragen.

Auch durfte ich in diesem Jahr an einer Geburt eines männlichen Erdenbürgers teilnehmen. Hasna, die Frau von Hassan wurde mitten in der Nacht Mutter eines gesunden Jungen. Ich durfte somit auch ein Hospital von innen erleben, welches durch die Fußtritte des werdenden Vaters geöffnet wurde, da der Schlüssel nicht aufzufinden war.


Achwaschgruppe
Souk in Agzd mit TeilnehmerInnen

Alles in allem wurde es wieder zu einem unvergesslichen Ereignis für alle Teilnehmer. Der Abschied fiel allen nicht leicht, auch weil ja in Deutschland der Winter noch nicht vorbei war und hier mit 50-55 Grad in der Sonne es doch schon heißester Sommer war.

Als Dank für die geleistete Hilfe wurde wieder Musik gemacht und bis in die Nacht Achwasch Tänze gelernt. Und Berberwhisky getrunken.

Im nächsten Jahr dürfen wir eine Präsentation des LEHMEXPRESS bei der Denkmalpflegeorganisation CERCAS in der Kasbah Taorirt und in Ait Benhaddou ausstellen und über die Risssanierung des letzten Jahres berichten. Das ist für uns ein Sahnehäubchen auf die vergangenen Jahre, denn mit der Vernadelung einer Lehmwand haben wir in Marokko Neuland betreten und die Abseiltechniken in der Fassadenrestaurierung schlagen bis heute ihre Wellen.

Wer jetzt Interesse an der Mitarbeit bekommen hat kann sich das neue Programm für 2007 durchlesen und sich dort auch anmelden.

Wer Interesse an einer wirtschaftlich Unterstützung hat, melde sich per Mail bei mir.

Hiermit Dank an die Firma KREIDEZEIT für ihre Spenden, an Iris und Michaela. Danke auch an dieser Stelle an
Dr. Schröder von der Uni Weimar für seine Mitarbeit und einen schönen Gruß an alle von meiner Familie Ait el Caid.

Manfred Fahnert


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