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Geschichte des Lehmexpress 1997 - 2017

2014

Projekt Kasbah Asslim 2008
Lehmexpress 2008 vom 17.3. - 28.3.2008

Wieder ist ein LEHMEXPRESS Jahr vorbei und wir können auf eine lehr- und arbeitsreiche Zeit zurückblicken.

In diesem Jahr war der Zuspruch an Personen gering. Nichts desto Trotz wurde es durch den Charakter der einzelnen Teilnehmer zu einer wunderbaren und ereignisreichen Zeit. Die erste Gruppe wurde wegen Desinteresse abgesagt.
Die zweite Gruppe kam zustande.
Acht Teilnehmer aus Italien, Holland, England und Deutschland lernten sich in den zwei Wochen kennen.
Kindergärtnerinnen trafen auf Bauingenieurinnen.
Studienrat auf pensionierten Stadtplaner.
Eleonore, die Lebensgefährtin Pauls, Doktor der Architektur im Lehmbau, tanzte auf dem "Rendezvous de la Musique" klassischen ägyptischen Bauchtanz.

Ganz nach dem Motto: >kre-akt-iv< sein ist alles. Kulturaustausch war angesagt. Die Sprachenvielfalt überschlug sich in diesem Jahr und wir haben alle viel gelernt.

Doch was geschah wirklich und "tat-sächlich"?

Wir erstellten einen neuen Zugang durch den Arkadenhof über eine Treppe in die Kasbah. Über einem nach oben offenen kleinen Innenhof wurde eine neue Lehmdecke hergestellt und alle Wände mit Lehm verputzt. So entstand ein neuer Raum vor der Kasbah, der als Aufenthaltsraum genutzt werden kann. Zum Tee trinken, lesen und einfach zum entspannen. Das alles im Schatten kühlender Lehmwände.

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Ein Teil des Duarit inmitten der Kasbah, der Säulensaal, wurde mit Lehm verputzt. Alle Räume wurden mit Strom versorgt und es gab viele Meter Kabel einzuputzen.

Es begann alles mit einer Großreinemachaktion. Es wurden Schutthalden aus den Höfen und Räumen in den Hof gekarrt und dort ausgesiebt. Was übrig blieb wurde mit Stroh vermischt und zu Mörtel verarbeitet. Laien übten sich in der Herstellung und Verarbeitung dieser Lehmmassen. Es wurden die Hosenbeine hochgekrempelt und der Lehm mit den Füßen malträtiert. So "erfuhren" die Teilnehmer, was Konsistenz, Plastizität und Geschmeidigkeit eines Lehmmörtels bedeutet. Was zuerst für einen Kenner, wie Sidi Ahmed und Maalem M´Bark, dilettantisch aussah, entwickelte sich in kurzer Zeit zu einer immer sehenswerteren Arbeit. Durch kleine Einweisungen in das Fachgebiet "Putzen" und die Aufnahmebereitschaft der Mitarbeiter entstanden lebhafte, oder sagen wir "lehmhafte" Wandoberflächen, die sich am Ende nicht von den anderen unterschieden. Von mir ein großes Lob an dieser Stelle.

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Auch gesellte sich, wie schon in anderen Jahren, eine Fangemeinschaft um Guido Röber vom Ökohaus & Garten aus Quedlinburg zu unseren Arbeitern hinzu. Auch wurde eine riesige Kiste mit Pigmenten mitgebracht. Diese wurde dem LEHMEXPRESS zur Verfügung gestellt.
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Es sollte aber nicht nur bei den Putzen bleiben. Es waren die Herstellung und Verarbeitung von ökologischen und traditionellen Farben angesagt. Dazu hatte ich allerlei Materialien von zu Hause mitgebracht. Marmormehl, Kreide, Pigmente und Casein. Kalk bekamen wir im örtlichen Fachhandel.
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Wir machten zu Beginn eine theoretische Einweisung in die verschiedenen Farbsysteme. Dann wurden die Mischungsverhältnisse besprochen und los ging es. Es begann damit: wir vergaßen das Kasein für eine Marmormehlfarbe mit Borax aufzuschließen. Der Erfolg war niederschmetternd. Erst nach einem Anruf bei Herrn Meißner bei der Firma Kreidezeit wurde uns klar, das Kasein in Wasser gelöst, nicht der Zweck der Sache ist. So lernt man immer neu, worauf es ankommt. Ich sollte mich schämen.

Nun begannen wir Kasein- Marmormehl-, Kalk- Kasein und Leim- Kreidefarben herzustellen und in den verschiedenen Räumen zu verarbeiten. Da die Familie drei neue Räume im Arkadenhof erstellt hatten, standen genügend Wandflächen zur Verfügung die noch nicht gestrichen waren. Auch machten wir bei den Exkursionen in die Kasbah's und Ksar's Tamnougalt, Asslim, Ait Ben Haddou

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und Taorirt Fotos von den typischen Wandmalereien und Dekorzeichnungen der Berber und wollten diese mit Schablonen in die Räume zaubern. Mein Sohn Anton machte die Entwürfe dazu fertigte die Schablonen und jeder Teilnehmer durfte mit feinem Pinsel an der Ausführung mitarbeiten.

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So entstanden sukzessive in zwei Flurbereichen der Kasbah und in einem Raum des Riads Farbgestaltungen mit den oben genannten Farben inklusive einer Wandlasur mit Ocker und Silber, welches erstaunlicherweise Gold ergibt. Der neue Raum im Riad wurde mit einem Namen versehen, Palais Bahia, da ein Ornament aus dem alten Königspalais Bahia in Marakesch stammt. Einige Teilnehmer waren der Meinung, dass jeder Raum einen Namen verdient. Somit haben wir damit begonnen.
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Der letzte Tag galt dann dem "Tadelakt". Tags zuvor versah ich die vom Maalem Keramik,

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wie Herr Mandini liebevoll genannt wird, gehandelten Schalen mit einem Zementspritzbewurf. Diese wurden dann von jedem einzelnen am Freitag mit kunterbunt eingefärbtem Edelkalk eingeschmiert und liebevoll massiert. Tadelakt heißt übersetzt auch massieren. Ob jeder damit zufrieden wurde, hat sich meiner Kenntnis entzogen. Darauf kam es auch gar nicht so an. Wichtig war die Versenkung und Stille die bei dieser Arbeit entsteht. So klang dann auch der gemeinsame letzte Arbeitstag in Stille und Zufriedenheit aus.
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Auch wurde, so nebenbei, der Tadelakt im Berberklo noch einmal eingeseift und die Bibliothek mit der Literatur der GTZ und Uni Weimar vervollständigt. Hiermit dir, lieber Horst Schroeder, ein Dankeschön für deine Bemühungen. Auch wurde damit begonnen eine Liste über die vorhandene Literatur zu erstellen. Und die gesamte Museumsetage wurde von Gitta vom Staub befreit.
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Als Abschluss, es ist schon so etwas wie Tradition geworden, spielten sich die vom "Rendezvous de la Musique" bekannten Ahwach- Musiker in eine pure Spielfreude, sodass es für jeden Teilnehmer schwer sein wird diesen Abend jemals zu vergessen.
Meine Hände waren am nächsten Tag vom Trommeln an einigen Stellen aufgeplatzt, sodass das Händedrücken zum Abschied nicht so schmerzfrei wurde. Doch mittlerweile ist alles wieder beim alten.
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Auf das Rendezvous de la Musique gehe ich an anderer Stelle ein, doch war es bestimmt für alle Teilnehmer der kulturelle Höhepunkt der Zeit in der Kasbah und bei der Familie Ait el Caid. www.rendezvous-de-la-musique.com

Fazit: alle Teilnehmer gaben mir den guten Rat dieses Projekt weiter zu führen. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr und auf die neuen Teilnehmer. Die Kasbah Asslim ist ein wahrhaft einmaliger Ort und jeder der einmal dort war, wird immer wieder daran zurückdenken.

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