Willkommen bei Lehmexpress

Geschichte des Lehmexpress 1997 - 2017

2014

Projekt Kasbah Asslim 2011


Gruppe 1

Die erste Gruppe bestand aus 10 Studenten der Uni Weimar, Dresden und Belgien. 10 Studenten, darunter ein Grieche, eine Portugiesin und ein marokkanischer Student aus Belgien machten sich mit dem Bruderpaar Peter, ein Architekt, der in der Schweiz arbeitet und lebt sowie sein Bruder Nico aus Weimar, der aus der Möbelrestauration kommt, bekannt.

Nach dem Einfinden der Teilnehmer ging es gleich munter los. Nach meiner üblichen Methode erkundigten wir in der Umgebung die geologische Lage der Gesteine und der Lehm- und Sand- Vorkommen. Somit bekamen die Teilnehmer die Grundlagen der Entstehung des Lehms auf praktische Art und Weise beigebracht.

Dann wurden die mitgebrachten Lehmproben analysiert und zwei Gruppen gebildet. Die Erste übte sich in den Feldanalysen zur Lehmbestimmung und hatte zur Aufgabe die Lehmputze für den Anbau zu optimieren. Die andere arbeitete praktisch an der Herstellung von Lehmsteinen und der Stampflehmbauweise. Dies wurde im Wechsel gemacht, Sodass jeder einmal in die verschiedenen Bereiche hinein schnuppern konnte.

Alle waren gesund und munter und die Vorbereitungen für die Putzarbeit waren im vollen Gange. Lehm und Sand wurde gesiebt, abenteuerliche Gerüste wurden gebaut, Mauerkronen beigearbeitet und die Arbeiten an der Stampflehmwand der Aussenmauer gingen zügig voran. Die Lehmziegelherstellung erreicht fast Perfektionismus.
Und immer wurde lecker gegessen.

Donnerstag vormittag hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit den Wochen- Souk zu besuchen. Nachmittags ging es ins Gebirge in der Nähe von Agdz. Dort ist oben auf einem Bergkamm eine alte Festungsruine. Nach mühevollem Anstieg wurden alle von der phantastischen Aussicht belohnt.
Samstag machte ein Teil der Gruppe eine Wanderung nach Tamnougalt zur Ksar mit ihren Kasbahs.
Am Sonntag fuhren wir alle gemeinsam nach Ouarzazate und Ait Ben Haddou und erlebten hautnah die imposante Lehmarchitektur Südmarokkos.
Lehm und Sand ist gesiebt und das Stroh in Wasser eingeweicht. Freitag hat es den ganzen Tag geregnet und wir haben Unterricht gemacht, Filme geschaut und Karten gespielt. Über das Wochenende verstreuten sich alle Teilnehmer, entweder zurück nach Hause oder Richtung Wüste und Gebirge.
Fazit:
Wir erreichten die von mir gesetzten Ziele. Unsere marokkanischen Lehmbaumeister konnten wir von unseren Bemühungen, wetterfeste Lehmputze herzustellen, überzeugen. Eine detailgenaue Beschreibung aller Test wurde durch die akribische Arbeit von Peter Schubert erstellt. Dir, lieber Peter, hiermit meinen Dank für deine Arbeit. Ich bin der Überzeugung, sie ist die beste Ausarbeitung über eine Gruppenarbeit des Lehmexpress. Mein Wunsch an dich, melde dich einmal bei mir, ich habe eine Aufgabe für dich.

Zur Bildergalerie Lehmexpress 2011 Gruppe 1: Hier gehts zur Galerie der Gruppe 1 / 2011

findet Ihr ein PDF mit einem Tagebuch der ersten Gruppe von Peter Schuberth.


Gruppe 2

Samstagmorgen ist die Sonne wieder da und ein sehr kräftiger Wind bläst. Auch sind Frederike, Thobias und Fernando von der zweiten Gruppe schon angekommen und die anderen werden auch im Laufe des Tages hier eintrudeln. Hoffentlich ist der Tizi el Tischka Pass schneefrei, damit die Busse über den Atlas kommen und die Teilnehmer unbeschadet an ihr Ziel kommen.

Der Wechsel der Gruppen läßt mir keine Zeit zur Verschnaufpause. Die neuen Teilnehmer sind alle mehr oder weniger gut angekommen. Der Sonntag stand unter dem Zeichen des Kennenlernens. Gaelle machte eine Führung durch das Gelände, die Kasbah und den Riad. Auch gab es eine Einführung in die Geschichte der Familie Ait el Caid. Danach eine Besichtigung der Baustelle. Und abends wurden die Trommeln in Schwingung versetzt.

Kerstin und Nicola sind als letzte mitten in der Nacht zum Montag angekommen und sie fehlen Montagmorgen beim Beginn und der Einweisung in die Arbeiten. Für sie begann das Projekt ohne die Gespräche und Führung des Vortages. Wie gewöhnlich machte ich Montagvormittag meine Einweisung über "Was ist Lehm und wie entsteht er". Die Vorarbeiten und Test der Studentengruppe wurden präsentiert und besprochen.

Hauptziele der zweiten Gruppe sind der zweilagige Aussenputz des Anbaus und die Restauration der Kalkputze im Asfalloraum mit den Tadelaktwänden, die von der Firma Kreidezeit 2003 erstellt wurden.
Und die Fertigstellung des Innenraumes im Anbau der den Namen "Salon Uschi" bekam. Dieser kam in Folge nicht so richtig in Gang. Mein Dank hiermit an Federike. Ihre Arbeit möchte ich auf meine Art und Weise beschreiben. Die Seele der Gruppe. Immer gut gelaunt. Immer hilfsbereit. Immer mit Rat und Tat dabei. Ich habe selten so einen Menschen erlebt. Unsere Vorgeschichte würde diese Seiten zum platzen bringen. Ich wünsche dir, Frederike Müller- Heilmeier, alles Gute für deine Zukunft.

Was sich als schwierig erweist, ist das Verputzen der Ziernieschen an dem Anbau. Dies wurde mit einer Perfektionierung ausgeführt, die positiv auf das Gesamtbild wirkt. Deutsche und australische Lehmbaumeister treffen auf die heimischen Meister. Es dauerte eine Weile bis die Rangordnung harmonisch wurde und alle zufrieden waren. Fernando, ein Maler aus Mexico, nahm, entgegen meiner Einteilung und recht herrisch, M`Bareks Arbeitsplatz ein und dieser mußte Putzmischungen ansetzen. Das hatte ich in den letzten 14 Jahren auch noch nicht erlebt. M`Barek ist der Lehmbaumeister, den ich von der Familie als Vorarbeiter zur Verfügung bekomme. Er soll im Grunde den Gruppenteilnehmern den marokkanischen Lehmbau beibringen. Dieser nahm es gelassen hin und scherzte mit seiner unnachahmlichen Art darüber. Er bezieht ein Meistergehalt und seine zwei Kollegen zogen ihn unaufhörlich deswegen auf. Doch sollte sich die Eigenwilligkeit von Fernando als Grund für sein Entfernen von der Gruppe erweisen. Denn, jeder bekommt hier was er sucht.

Ich teilte Manfred, der jetzt Manni genannt wurde, damit es mit mir keine Verwechselung gibt, Kerstin und Nicola und eine vierte Laien- Person zu den Kalkarbeiten im Asfallo ein. Ich dachte mir im Vorfeld, daß sie die "Richtigen" für diese Arbeit sind. Stukateurmeister, Restauratorin/ Tochter und Architektin/ Mutter sind doch die geeigneten Personen für diese Aufgabe. Dachte ich. Vor allem ist dieser Raum für mich durch seine Historie und auch Architektur eine besondere Arbeit. Wann kann man schon einmal an solch einem Ort arbeiten?
Schon nach einer Stunde Arbeit, beim Ebnen des Fußbodens, wurden mir Verbesserungsvorschläge gemacht. Diese wurden diskutiert und debattiert um dorthin zu gelangen, das es doch so gemacht werden sollte wie ich es geplant hatte. Es wurden Helfer gefunden die willig waren um die Situation zu entschärfen. Doch solche Geschehnisse sollten immer wieder kommen. Letztendlich, nach einigen Diskussionsrunden, Sondersitzungen, Erklärungen und Meinungsdebatten entschloß man sich auf wackeligen Gerüsten Standfestigskeitübungen durchzuführen und gute Mine zu bösem Spiel zu machen. Welches nicht dazu führte, dass nicht darüber diskutiert wurde, wann man denn endlich Lehmbau macht, weswegen man ja schließlich hier war. So wurde gewechselt und getauscht, in andere Gruppen gegangen und Fragen gestellt, Meinungen und Wissen ausgetauscht, geraucht und gekommen und gegangen. Doch wurde es dort auch ruhiger und freudiger und allerlei Rezepturen wurde erdacht. Sande wurden unter Anleitung von Manni für die verschiedenen Mischungen und unterschiedlichen Oberflächen gesiebt und zusammengestellt. Eine wahre Rezepturschule bildete sich bei wechselnder Belegschaft. Jeder durfte letztendlich dann auch einmal seine Hände in den Lehm stecken.

Eine andere Gruppe befasst sich in dieser Zeit mit den Grundsätzlichkeiten im Vorbereiten der Wände, Risse richtig schließen usw. für den nachfolgenden Lehmputz in einem Treppenhaus der Kasbah. Hier hatten sich eine Gruppe Frauen, Bettina, Frederike, Anke, Jeanette mit Timo und Bradley gefunden, um sich praktisch mit den richtigen Werkzeugen mit den verwinkelten Ecken und Wänden auseinander zusetzen. Teamarbeit wurde gefördert, Gruppendenken praktiziert und die perfekte Ausführung stand im Hintergrund. Hier ging es um das praktische Lernen am Objekt.

Ich streiche im Anbau die im letzten Jahr verputzten Wände mit der wunderschönen Kalkfarben der Firma Kreidezeit. Diese Naturfarbenfirma unterstützt seit Bestehen des Lehmexpress unser Projekt mit Materialien, fachliche Hilfe und geistiger Unterstützung. Euch einen lieben Dank dafür die diesjährige Hilfe und das es mit der Lieferung doch noch geklappt hat.

Meine Hauptaufgabe ist wie jedes Jahr das Organisieren der Materialien und der Gruppen, welches nicht störungsfrei ist. Einige Zeit ist wieder einmal in grundsätzlichen Diskussionen, was denn beim Lehmexpress so zu geschehen hat, verschwunden. Ich weiß auch nicht so genau, was ich da falsch mache, habe ich doch sehr genau darüber geschrieben und gesprochen, was so alles auf dem Programm steht.
Am Wochenende sind wir wie immer in Ait Ben Haddou und der Kasbah Taorirt. Einige Teilnehmer sind von ihrem gestrigen Wüstentrip erschöpft und krank. Dieser Ausflug stand gar nicht auf dem Programm. Doch so ist es nunmal, einige meinen, sie könnten innerhalb eines Tages einen Eindruck über die Wüste zu erfahren. 300 km Hinfahrt, 300 km Rückfahrt, Spaziergang durch die Dünen und zum Abschluß einen Besuch des Festivals in M`Hamid. 2 Uhr nachts zurück.
Ich stehe diesen Ereignissen skeptisch gegenüber und habe da so ganz andere Vorstellungen von Sinnhaftigkeit. Alle, außer Tobi, waren in Folge einen Tag außer Gefecht.

Die "Übriggebliebenen" machten eine Wanderung nach Tamnougalt in die große Lehmstadt. Nach der Führung durch die Gassen und Kasbah´s waren sie beeindruckt von der Lehmarchitektur und die Wirkung auf ihren Geist und Verstand. Trennung vom Spreu und Weizen? Lebe das Individuum? Oder sind wir eine Familie, die gemeinsam ihre Zukunft besprechen und planen müssen?

Am letzten Tag brachten wir noch den Kalkkaseinestrich im Salon Uschi ein. Diesen Raum habe ich meiner lieben Frau Uschi gewidmet, die mir jedes Jahr aufs neue die Freiheit bietet unser Projekt hier zu leiten. Die Rezeptur wählten wir nach der Auswertung der Proben die von der ersten Gruppe gemacht wurden. Nach ihrer Analyse mußten wir den Kalkgehalt deutlich erhöhen, siehe Rezeptur. Nach dem Abbinden wurde dieser Boden mit einer Wasserglaslasur und roten Farbpigmenten gestrichen. Dadurch erhält der Raum eine neue warme Lebhaftigkeit.
Für mich ist es nicht leicht einen Bericht über die Geschehnisse in diesem Jahr zu machen. Ich muß jeden Satz mehrmals schreiben, um mir darüber klar zu werden, was dort so alles geschehen ist. Der LEHMEXPRESS ist eine Schule. Kein Workshop oder Seminar. Es geht um mehr, um viel mehr. Es geht um unsere Existenz. Unsere Zukunft. Durch die Ereignisse in Japan und die Geschehnisse in den islamischen Ländern, siehe die Entwicklungen um Herrn Gaddafi, erhielt dieses Jahr eine besondere Note. Dies habe ich beim diesjährigen Rendezvous de la Musique angesprochen. Jedenfalls habe ich es versucht. Und ich werde es weiter machen.
Und freue mich auf Neues.

Ach ja, bevor ich es vergesse, Freitag abend spielten 12 Achwachmusiker unter Führung von M`Barek und Haffid, unsere zwei Lehmbaumeister zum Tanz auf. Es wurde ein ausgelassener Abend mit Spaß und Freude. Wie in einer großen Familie. Doch waren andere schon wieder unterwegs, an die Küste, Essauira sollte einen Kurzurlaub werden. Ohne "auf Wiedersehen" zu sagen. Einfach so.

Inschallah

Euer Manfred

Bildergalerie Lehmexpress 2011 Gruppe 2:
Hier gehts zur Galerie der Gruppe 2 / 2011
Bildergalerie des Abschiedsfestes der Gruppe 2:
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"Man wird sich wundern" (Text/PDF)
Man wird sich wundern
Rezept für Kalkestrich im Salon de Uschi (Text/PDF)
Rezept Kalkestrich
Rezepturen für Kalkputze im Säulenraum (Text/PDF)
Rezepturen Kalkputze

 

Lehmexpress 2011 Gruppe 1
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Lehmexpress 2011 Gruppe 1
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Lehmexpress 2011 Gruppe 2
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Video des Abschlussfestes der Gruppe 2

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